Erstes Delegiertentreffen der Bayerischen Trachtenjugend

17.04.2018 06:34 von Christian Heilmeier

fand im Augustiner Stadl in Holzhausen statt.

Erstmalig organisierte die Bayerische Trachtenjugend ein Delegiertentreffen auf dem Gelände des Trachtenkulturzentrums in Holzhausen. Knapp 60 Delegierte der Trachtenvereine aus den Stadt-, Kreis- und Bezirksjugendringen aus ganz Bayern fanden sich im Augustiner Stadl bei herrlichem Wetter zusammen. Sie hatten gute Gründe, denn als Ehrengast war niemand geringerer als Herr Matthias Fack gekommen, der Präsident des Bayerischen Jugendrings, was im Grunde das höchste Amt in der bayerischen Jugendarbeit ist. Weitere Ehrengäste waren der stellvertretende Landrat Herr Lehner und Günter Frey, ehemaliger Landesjugendvorstand und nun stellvertretender Landesvorstand des Bayerischen Trachtenverbands.
Armin Schmid, amtierender Landesjugendvorstand, begrüßte die Ehrengäste und die Delegierten und freute sich, dass so viele angereist waren und gab einen kurzen Ausblick auf den Ablauf der Veranstaltung. Er begrüßte auch die beiden Delegierten der Trachtenjugend, Waltraud Betz und Markus Hochlahner, der zugleich die Moderation der Diskussionsrunde übernahm. Schmid übergab das Wort an Herrn Lehner. Dieser lobte die großartige Leistung der Delegierten in den Jugendringen, in der Jugendarbeit selbst und natürlich in der Traditionsarbeit. Für ihn sei Jugend die Zukunft, und durch die Jugendarbeit finden die Jungen ihren Platz in der Gesellschaft. Es folgte das Grußwort von Günter Frey, der zunächst ein großes Lob an seinen Nachfolger Armin Schmid richtete, denn es sei ein großer Erfolg, als erster Jugendverband in Bayern eine solche landesweite Versammlung der Delegierten eines Verbands organisiert zu haben. „Jugendarbeit ist alles andere als einfach“, weiß Frey aufgrund seiner eigenen früheren Tätigkeit als Jugendleiter in seinem Trachtenverein. Auch als ehemaliger Delegierter in einem Kreisjugendring kann er nur bestätigen, wie existentiell die Arbeit als Delegierter für die Jugendarbeit ist. „Nur durch die aktive Teilnahme an den Gremien können die Trachtler die gesamte Jugendarbeit in Bayern verändern und verbessern.“, fügte Frey an und schloss seine Rede mit dem Satz „Nur gemeinsam sind wir stark!“ ab. Anschließend übernahm der Hauptgast Fack das Wort. Für ihn gäbe es Termine, die ihm keinen Spaß machen, doch auf diesen freute er sich, trotz einer dreistündigen Anreise aus Lindau, wo er am Vormittag ein Treffen hatte. Mit solchen Terminen behalte er die Bodenhaftung. Lange Zeit war der gebürtige Mittelfranke mit Trachtlern nicht in Berührung gekommen. Dies änderte sich, als er Günter Frey kennengelernt habe. Seitdem kennt er die Trachtler als verlässlichen Partner in der Jugendarbeit. Durch sie würde das Modewort „Heimat“ auch wirklich belebt, fügte er an. „Wir stehen in bewegten Zeiten“, fuhr er fort. Wenn man auf andere Bundesländer blickt, wo mittlerweile neue Parteien in die Parlamente gewählt worden sind, muss man feststellen, dass die Jugendarbeit schwieriger geworden ist. Auch Bayern steht vor Landtagswahlen und muss sich auf eine neue Parteienlandschaft einstellen.
Markus Hochlahner führte in eine Diskussion ein. Das erste Thema waren die neuen Förderrichtlinien im Bereich der Jugendbildungsmaßnahmen und Erwachsenenausbildung, welche ab Mai dieses Jahres gelten. Fack ging auf die jahrelange Verhandlungsphase mit der Bayerischen Staatsregierung ein. Als nach fünf Jahren immer noch keine Genehmigung von Seiten des Obersten Rechnungshofes gekommen sei, beschloss der Bayerische Jugendring, die Richtlinien trotzdem einzuführen und gegen die Regierung zu klagen. Dass trotz schmerzhafter Kompromisse keine Zustimmung der Regierung kam, sei für Fack völlig unverständlich. Als Beispiel nannte er die Bagatellgrenze. Diese besagte zunächst, dass Maßnahmen erst gefördert werden, wenn die tatsächliche Fördersumme mindestens
2.000€ betrage, was dazu führen würde bei vielen Maßnahmen keine Förderung mehr zu erhalten oder die Kosten künstlich hochzudrehen. Glücklicherweise konnte diese Grenze auf 200€ runtergehandelt werden. Das nächste Thema war die Zusammenarbeit der Kreisjugendringe untereinander. Viele Delegierte beklagen, dass die einzelnen Landkreise eigene Förderrichtlinien und Vorgaben für Anträge haben und die Vereine Maßnahmen mit Kindern aus zwei oder mehr Landkreisen nur mit einem enormen Bürokratieaufwand fördern lassen können. Fack antwortete darauf, dass Bayern 96 Landkreise und somit 96 Kreisjugendringe besitzt. Jeder Landkreis habe seine eigene Struktur. Der Bayerische Jugendring bemühe sich, die Kreise zu animieren sich anzugleichen, aber eine einheitliche Strukturierung findet er falsch. Das würde nicht den Bedürfnissen vor Ort entsprechen. Deshalb sei es so wichtig in die Vollversammlungen zu gehen. Denn dort können diese Strukturen verändert werden. Was die überschäumende Bürokratie in einzelnen Jugendringen betrifft, möchte Fack allerdings überprüfen und nahm das Thema mit. Wenn es außerdem Schwierigkeiten mit dem eigenen Kreis- oder Stadtjugendring gibt, darf man sich jederzeit an den Bayerischen Jugendring wenden. Viele Einwände vonseiten der Delegierten kamen zu dem Thema. Ein Trachtler ging auf den allgemeinen Vorwurf, Jugendarbeit sei zu links, ein. Für ihn dürfe Jugendarbeit überhaupt nicht politisch sein. Fack entgegnete darauf, dass Jugendarbeit nicht nicht-politisch sein kann, aber auf jeden Fall nicht parteipolitisch sein darf.
Als nächstes stand die neue Datenschutzrichtlinie auf dem Plan. Fack warnte davor, in Panik zu verfallen, denn die neue Regelung sei bei weitem nicht so schlimm, wie viele behaupten. Vielmehr warnte er vor vermeintlichen Unternehmensberatern, die aus der Angst vor den neuen Gesetzen Kapital schlagen möchten.
Ein weiteres Thema war der §72a StGb. Dieses steht in der Kritik, da es für Jugendleiter eine Unbedenklichkeitsbescheinigung bzw. ein Führungszeugnis verlangt. Die Vision von Fack ist, dass mit Beantragung der Jugendleiterkarte (Juleica) das Thema erledigt sein sollte, denn die Juleica sollte über dem Führungszeugnis stehen. Der Paragraph soll geprüft und reformiert werden. Fack gab auf diesem Weg noch mit, dass für die Präventionsarbeit in der Ausbildung der Jugendleiter viel wichtiger sei.
Nachdem der offizielle Diskussionsteil abgeschlossen war, bedankte sich Hochlahner für die ausführlichen und ehrlichen Antworten von Herrn Fack und für die rege und konstruktive Teilnahme der Trachtler. Bei Kaffee, Kuchen und einen kleinen Brotzeit bekamen die Delegierten die Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen.
Insgesamt unter der Einbeziehung der gesammelten Rückmeldungen war die Veranstaltung ein großer Erfolg, weshalb sich die Landesjugendvorstandschaft entschlossen hat, die Veranstaltung im zweijährigen Rhythmus durchzuführen.
Heilmeier/17.04.18

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